Berliner Künstler Rita Kashap Landschaftsmalerei weiterlesen

Lange Weile hat’s hier nirgends, die Landschaften sind dynamisch bewegt und der Landschaftsraum als Bildraum expandiert, wenn Rita Kashap den Vordergrund distanzlos an das Betrachterauge heranführt, den Mittelgrund weghext und nur noch den Hintergrund als visuellen Rettungsanker vor dem Sich-Verlieren zulässt.
In einem Bild stehen zwei sturmgepeitschte Bäume da, in voller Pracht ihres herbstlich roten Laubes. Die Bäume benötigen keine weiteren Verweise, sie sind in ihrer Situation aufeinander angewiesen und bilden in ihren Neigungen zueinander eine bewegte ästhetische Brücke, die von verborgenen Dramen spricht.
Das Bildfeld ist hier, wie in vielen anderen ihrer Landschaftsbilder auch, als durch Flecken und Spuren, lineare und flächige Elemente, als dynamisch bewegtes, dramatisches Feld definiert, das gelegentlich durch ruhigere Partien, malerische Lyrismen unterbrochen und ausbalanciert wird. Hier spielt sich existentielles Drama ab, adäquat sinnfällig durch die Faktur wiedergegeben.
Manchmal kommen eher unbewußt historische Vorbilder vor, mit überragender, dennoch frecher Geste. Aber: Hier geschieht vor allem Malerei in tiefgreifender Originalität. Hier wird gelebt, geliebt und gelitten, vor allem aber gemalt. Hier geht es nicht um Leben, sondern um Kunst.
Wir glauben bei Rita Kashap meist, ein variiertes, aber letztlich realistisches Bild zu sehen, aber der Eindruck täuscht. Wir betreten eine Welt raffinierter Magie, der Magie der ineinander verwobenen Farbfelder, Flecken und Linien, die sich sogar widersprechen dürfen. Manchmal sehen wir eine Leerstelle, wo wir doch etwas Konkretes erwarten – oder genau umgekehrt. Alles wird letztlich zu einer Wiedergabe von Licht, aber es handelt sich nicht um reales, sondern um gemaltes Licht, und dieses reflektiert keine realistische Beleuchtungssituation, beschwört aber ihren Charakter herauf. Die Farben machen sich über Natürlichkeit gelegentlich sogar lustig, was ihre visuelle Wirkung verstärkt und vom Betrachter ein stärkeres wahrnehmungsorientiertes Engagement abfordert.
Gelegentlich zeigen die Naturelemente Autonomie, entsagen ihrer abbildenden Aufgabe, versuchen eine direkte emotionale Anbindung an die Psyche des Betrachters, vermittelt durch Faktur und Duktus. Daraus resultieren im Grunde abstrakte Bilder, Momente autonomer Malerei, die den emotional geprägten Erlebniskosmos durch ein als adäquat empfundenes Farbuniversum vertritt. Welt und Parallelwelt werden synchron geschaltet, Kunsterlebnis wird Welterlebnis.

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